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Partnerschaften als Schlüssel zum Erfolg in einer vernetzten Welt

Das Internet of Things (IoT, Internet der Dinge) hat bereits begonnen unseren Alltag, wirtschaftliche Prozesse und Unternehmen zu verändern. General Electric betont offiziell, dass IoT zu einer Revolution führen wird. Tesla ist im Wesentlichen ein IoT Unternehmen. Auch Hersteller schnelldrehender Produkte (FMCG) wie Coca-Cola, Procter & Gamble und Johnson & Johnson nutzen bereits IoT.

Die Entwicklung nimmt zusehends an Fahrt auf. Einzelne Unternehmen werden schon bald immer weniger in der Lage sein, die erforderlichen Veränderungen alleine zu handhaben. Aus diesem Grund werden Produkte und Verfahren immer mehr zum Resultat virtueller und realer Partnerschaften – über Geschäftsbereiche und Branchen hinaus.

Gartner sagt voraus, dass die Anzahl an Produkten, die mit dem Internet verknüpft sind, von heute 6,4 Milliarden auf 21 Milliarden im Jahr 2020 ansteigen wird. Über die technologischen Komponenten, die für diesen Anstieg benötigt werden, wurde bereits viel geschrieben, andere Anforderungen zur Verbindung dieser Technologien und zur Umsetzung von Veränderung wurden bisher kaum thematisiert. Zu diesen Anforderungen gehören Zusammenarbeit und ein übergreifendes Konzept, beides zählt neben der Technologie zu den Hauptsäulen zur Umsetzung der IoT Revolution.

IoT erfordert einen interdisziplinären Ansatz

Ein erfolgreicher Einsatz des IoT erfordert ein übergreifendes Konzept mit gemeinsamen Zielen. Zunächst sollte ein Unternehmen damit beginnen, den Support für bestehende Produkte und Dienstleistungen zu optimieren. Wie kann IoT genutzt werden, um Kundendienste über Probleme in Kenntnis zu setzen und um Daten zu erfassen? Wie können Trends analysiert werden um Warnsysteme für Marketing und Produktentwicklung festzulegen und ein diesen Erkenntnissen entsprechendes Handeln zu ermöglichen? Das zweite Ziel besteht darin, IoT zu nutzen, um die Qualität von Produkten und Diensten durch ein besseres Verständnis ihrer Verwendung nachhaltig zu verbessern. Produktentwicklung, Marketing und Produktionsmanagement müssen hier eng zusammenarbeiten, um entsprechende Verbesserungen zu erreichen. Auf diese Weise sollte der Absatz gesteigert werden können. Beim letzten Ziel geht es darum, Möglichkeiten zu identifizieren, um neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die potentiell zu einer Transformation des Unternehmens führen. Auch an dieser Stelle müssen verschiedene Disziplinen ineinandergreifen. Abteilungsübergreifendes Teamwork, die Beachtung von Sicherheit und Datenschutz sowie die Gewinnung der passenden Talente sind Wegbereiter, um dieses Ziel zu erreichen. An dieser Stelle können auch  externe Partner einbezogen werden, um die zweite Säule anzuvisieren: Zusammenarbeit.

IoT-Visionen mittels Partnerschaften realisieren

Mit einer klaren IoT-Vision und als Teil der oben beschriebenen Strategie muss ein Unternehmen seine Kernfähigkeiten kennen und die passenden Partner finden, um hier Lücken zu schließen. Diese Partner sollten zu einem frühen Zeitpunkt in diesen Prozess eingebunden werden. Zahlreiche kleine Unternehmen, die in den letzten Jahren gegründet wurden oder sich aktuell gründen, haben sich auf eine oder mehrere der Technologien spezialisiert, die für IoT Lösungen in allen Industrien und Branchen benötigt werden. Dies kann von Datenanalysen, agnostischen Cloud-Diensten, intelligenten Chatbots bis hin zu intelligenter Hardware reichen, die mit bestehenden Produkten oder Dienstleistungen verbunden werden oder neue Produkte und Dienstleitungen schaffen können. Große Firmen wie Bosch und IBM, aber auch Start-ups wie Klarrio bieten Cloud-Plattformen an, worauf Firmen aller Art ihre IoT-Produkte und Dienste entwickeln können. Amazon hat vor kurzem Amazon AI für Entwickler lanciert. Zudem gibt es im IoT-Bereich außerordentlich viele Start-ups, die in fast allen Geschäftsbereichen aktiv sind. Ob im HoReCa-Bereich, z.B. Coffee Cloud oder Tsenso, im Postgeschäft, dort sind Start-ups wie das niederländische Parcer tätig, oder im Bereich Smart Home, wo Moneky aus München oder MyOctopus aus Dublin aktiv sind. Die aus den IoT-Geräten resultierenden Daten können durch das britische Unternehmen wejo zur Generierung von weiterem Optimierungspotenzial weiterverarbeitet werden, wenn es sich um Daten von vernetzten Autos oder generell um DataStories aus Belgien handelt.

Viele der Start-ups, die die IoT-Revolution umsetzen sollen, werden heute bereits durch Millenials gegründet. Wie können diese Unternehmen ausfindig gemacht werden? Ein großer Teil von ihnen stellen sich auf entsprechenden Konferenzen und Messen wie CESIS (www.iot-cesis.com) vor. Eine andere Möglichkeit ist die Kooperation mit Startup-Accelerator und Inkubatoren wie Techstars, Startup Bootcamp, Plug & Play oder B-Sprouts, sowie die Suche in globalen Netzwerken wie Crunchbase, Kite oder Evol8tion oder die Nutzung nationaler Start-up Plattformen. Die jungen Start-upsverfügen über die Mittel, die Leidenschaft und das Bestreben, die Strategien Ihrer Partnerunternehmen mitzugestalten, um Teil eines Ökosystems zu sein und die IoT Revolution im Sinne einer besseren Zukunft umzusetzen. Machen wir es wahr!

Über Hugo Hanselmann

Hugo Hanselmann hat das Brüsseler Unternehmen HuHeHa gegründet, das andere Unternehmen bei der digitalen Transformation berät. Zudem ist er Geschäftsführer von B-Sprouts, eine Startup-Gründungswerkstatt und Accelerator in Brüssel und Partner bei 5CCG, ein Beratungsunternehmen für digitale Medienstrategien. Zuvor war er als Global Director Digital Connections bei Anheuser-Busch InBev für die digitale Transformation weltweit und in einer führenden Rolle für die Gründung der Innovationsschmiede des Unternehmens im Sillicon Valley verantwortlich. Vor seiner Zeit bei Anheuser-Busch InBev war er in verschiedenen Abteilungen bei Daimler in Europa und Asien tätig.

Von Hugo Hanselmann
Quelle: http://www.ingenieur.de/Themen/Industrie-40/Partnerschaften-Schluessel-Erfolg-in-vernetzten-Welt vom 12.12.2016

Erster Zug mit Wasserstoffantrieb in Deutschland eingesetzt

Der erste Wasserstoffzug mit Brennstoffzelle rollt an

Den ersten Zug der Welt, der seinen Strom aus Wasserstoff in einer Brennstoffzelle erzeugt, zeigt der französische Bahnkonzern Alstom auf der InnoTrans in Berlin. Der Zug ist keine Vision, sondern soll ab 2017 im Regionalverkehr rund um Bremen eingesetzt werden. Die Alternative für tausende Dieseltriebwagen in Deutschland?

Leise, abgasfrei, komfortabel und doch recht schnell: Das ist der „Coradia iLint“. Der klangvolle Name steht für den ersten Zug mit Brennstoffzelle, den der französische Technologiekonzern Alstom entwickelt hat und schon in wenigen Jahren die derzeit rund 2.700 Dieselzüge ablösen könnte, die in Deutschland auf nicht elektrisierten Strecken unterwegs sind.

Alstom hat den Zug jetzt auf der Bahnmesse InnoTrans in Berlin vorgestellt. Er ist das Ergebnis eines Projektes, an dem die deutsche Politik großes Interesse hat: Gefördert vom Bund mit acht Millionen Euro, unterstützt von mehreren Bundesländern, die den Wasserstoffzug auf Regionalstrecken einsetzen wollen.

Reichweite bis zu 800 Kilometer

Der Wasserstoffzug basiert auf dem konventionellen Dieselzug Coradia Lint 54. Alstoms Coradia-Reihe ist ein modularer Regionalzug, den es seit mehr als 16 Jahren im Fahrbetrieb gibt und von dem schon über 2.400 Züge weltweit verkauft wurden. Der Zug wird in Salzgitter gebaut. Dort entsteht auch die Wasserstoffvariante des Coradia. Die ersten Züge der Wasserstoffvariante sind bereits gebaut, derzeit läuft das Zulassungsverfahren beim Eisenbahn-Bundesamt.

Die Wasserstofftanks sind auf dem Dach des Coradia iLint untergebracht, die Batterien im Boden. Die Reichweite beträgt bis zu 800 km mit einer Tankfüllung.

Foto: Alstom

Fast auf der gesamten Dachfläche des Zuges sind Tanks für Wasserstoff und Sauerstoff verteilt, dort findet auch die Reaktion beider statt, aus der elektrischer Strom entsteht. Und der wird in Lithium-Ionen-Batterien geleitet, die unter dem Zug angebracht sind. Sie dienen als Speicher nicht nur für die erzeugte, sondern auch für die aus Bremsvorgängen zurückgewonnene Energie.

Die Kapazität der Tanks und Akkus soll für 600 bis 800 Kilometer reichen. Damit ist der Zug ideal geeignet für Regionalstrecken, auf denen sich eine Elektrifizierung nicht lohnt. Um die Reichweite zu steigern, will Alstom an den Regionalstrecken, auf denen der iLint fährt, Wasserstofftankstellen bauen.

Am Wasserstoffzug Coradia iLint haben neben Niedersachsen auch Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und der Verkehrsverbund Rhein-Main in Frankfurt Interesse.

Bis zu 300 Passagieren bietet der Wasserstoffzug Platz, für die Hälfte der maximalen Zahl an Fahrgästen stehen Sitzplätze zur Verfügung. Und 140 km/h Spitze sind möglich – für relativ kurze Strecken mit einem engen Stationsnetz reicht das.

Alstom will Wasserstofftankstellen für Züge bauen

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Dieselzug ist der Elektroantrieb deutlich leiser. Kein Wunder also, dass die Politik auf die Technik setzt. Zur Energie- oder gar der gesamten Ökobilanz des Wasserstoffzuges sagt Alstom indes bislang nichts. Das Unternehmen spricht von „emissionsfreiem“ Antrieb, aber hier gilt natürlich dasselbe wie beim E-Auto: „lokal emissionsfrei“ ist richtiger. Denn der Wasserstoff muss ja irgendwo herkommen.

Nun berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass Alstom dieses Problem gelöst haben will, weil man Wasserstoff verwende, der als Abfallprodukt in der Chemieindustrie sonst „einfach verbrannt“ werde. Den gibt es zwar in durchaus beträchtlichen Mengen, aber er wird zum allergrößten Teil in chemischen Prozessen weitergenutzt, nur zu etwa fünf Prozent verbrannt – und das auch nicht auf dem Acker, sondern in Anlagen, die Prozesswärme erzeugen. Wird hier Wasserstoff abgezweigt, muss er also als Energiequelle ersetzt werden.

Innenraum des Coradia iLint: Weil die Wasserstofftanks und Batterien in Dach und Boden untergebracht sind, bietet der iLint Fahrgästen so viel Platz wie andere Regionalzüge auch.

Foto: Alstom

Für lärmgeplagte Anwohner könnten die neuen Züge indes ein echter Gewinn sein. Nächstes Jahr wird der Testbetrieb aufgenommen, ab 2018 soll der Coradia iLint in Deutschland im Regelbetrieb fahren. 14 Züge sind zunächst geplant, die auf der Strecke Buxtehude-Bremerhaven-Cuxhaven verkehren werden.

Ausgesprochen kurz war die Entwicklungszeit des Zuges, der ja auf einem bewährten Konzept aufbaut. „Diese Innovation zeigt, dass wir in der Lage sind, in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden einen Zug in nur zwei Jahren zu entwickeln”, erklärte Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge auf der InnoTrans.

Und Interessenten gibt es offenbar genug. Für den Zug interessieren sich auch die Länder Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie der Rhein-Main-Verkehrsverbund in Frankfurt.

Weitere Neuheiten der InnoTrans finden Sie hier.

Quelle: http://www.ingenieur.de/Panorama/InnoTrans/Der-Wasserstoffzug-Brennstoffzelle-rollt-an vom 25.09.2016

 

Von Werner Grosch