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Industrie-4.0-Fabrik

Siemens baut in Schweden automatische Fabrik für 50.000 Elektroautos

Wird das der Durchbruch des Elektroautos für Jedermann? 2019 sollen 50.000 bezahlbare Elektroautos in einer Fabrik in Schweden gebaut werden – in einer vollautomatischen Fabrik mit Siemens-Technik. Es soll die erste Industrie-4.0-Fabrik der Welt werden.

Elektroauto Uniti

Das Elektroauto Uniti soll schon 2019 auf den Markt kommen. Die Schweden wollen im ersten Jahr dank Siemens-Technik 50.000 Autos in der ersten Industrie-4.0-Fabrik der Welt bauen.

Foto: Uniti

Plötzlich geht alles ganz schnell. Erst vor zwei Jahren sind schwedische Ingenieur-Studenten auf die Idee gekommen, einen futuristischen, elektrisch angetriebenen Cityflitzer ohne Lenkrad und ohne Pedale zu designen. Das war schon sehr mutig.

Kurz darauf haben sie das Start-up Uniti gegründet und per Crowdfunding 1,2 Millionen Euro gesammelt. Inzwischen hat Uniti fast 600 Investoren aus 45 verschiedenen Ländern. Und jetzt hat sich Siemens Nordics als Produktionspartner angeboten für den Aufbau einer Autofabrik. In einer vollautomatisierten Industrie-4.0-Fabrik sollen im ersten Jahr bereits 50.000 Stück des Kleinwagens gebaut werden, vollautomatisch von Robotern. Schon 2019 soll das Elektroauto auf den Markt kommen. Für rund 21.000 €.

Siemens baut vollautomatische Autofabrik in Schweden

Siemens stellt die Industrie-4.0-Technik zur Verfügung, um das E-Auto mit möglichst wenig Personal so kostengünstig wie möglich herstellen zu können. Zunächst wird im Computer eine Simulation des gesamten Produktionsprozesses stattfinden. In den anschließenden 18 Monaten folgt dann der Aufbau der weitgehend automaischen und menschenleeren Fabrik.

Siemens und Uniti planen aktuell den Produktionsprozess im Computer. Anschließend entsteht eine Industrie-4.0-Fabrik, die den Wagen vollautomatisch fertigt.

Foto: Uniti

Die Simulationssoftware soll die Entwicklungs- und Produktionszeit des Autos erheblich verkürzen. So verspricht Siemens, dass „das erste Fahrzeug, das die Fertigungsstraße verlässt, direkt an den Kunden ausgeliefert werden kann, ohne großartig Tests am Fahrzeug durchführen zu müssen”, so Mats Friberg, Geschäftsführer der Siemens PLM Nordics.

Das lässt aufhorchen. Schließlich nehmen gestandene Autobauer Milliardensummen für die Autoentwicklung in die Hand, von der ersten Idee bis zur Auslieferung. Und da wollen schwedische Studenten binnen weniger Jahre einen neuen Hersteller aus dem Boden stampfen, inklusive eigener Produktion?

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Uniti-Unternehmenschef Lewis Horne vor einem Kuka-Roboter: Das schwedische Start-up Uniti plant eine vollautomatische Autoproduktion.

Foto: Uniti

Die neue Fabrik wird in Südschweden entstehen, entweder in Malmö oder Landskrona. Arbeiter, die Teile montieren, werden dort nicht mehr zu sehen sein. Lewis Horne, CEO von Uniti Schweden: „Im Prinzip kann in unserer vollautomatisierten Produktionslinie die Beleuchtung 22 Stunden am Tag ausgeschaltet sein.“

Es gibt weder Lenkrad noch Pedale

Wenn der Cityflitzer 2019 über die Straßen fährt, werden wahrscheinlich einige Münder offen stehen. Denn der nach hinten spitz zulaufende, dreirädrige Zweisitzer mit schicken Scherentüren sieht schon von außen aus wie ein Gefährt aus der Zukunft.

Uniti mit geöffneten Flügeltüren: Das kleine Elektroauto wiegt nur 400 kg und ist eine Entwicklung der Universität Lund in Schweden. 2019 soll es auf den Markt kommen.

Foto: Uniti

Vom Innenleben ganz zu schweigen. Da gibt es statt Pedalen und Lenkrad nämlich ein Steuerruder – fast wie im Flugzeug. Will der Fahrer beschleunigen, schiebt er das Ruder nach vorne, für eine Bremsung nach hinten. Die Geschwindigkeit sieht er dank Head-up-Projektionstechnik direkt auf der Windschutzscheibe. Und den Bordcomputer bedient er über ein Touch-Display. Das macht Plastikarmaturen und Knöpfe überflüssig.

Elektroauto hat bis zu 300 km Reichweite

Der Uniti könnte Stadtmenschen mit seiner Spritzigkeit überzeugen. Die Radnabenmotoren haben eine Leistung von bis zu 40 kW und beschleunigen das Auto, das dank Leichtbauweise und Kohlenstofffaser-verstärktem Kunststoff nur 400 kg wiegt, in nur 3,5 Sekunden von 0 auf 80 km/h – bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.

Je nach Ausführung werden 11- oder 20-kWh-Lithium-Ionen-Akkus verbaut sein, die Reichweiten zwischen 150 und 300 km ermöglichen. Das Laden funktioniert per Induktion oder Kabel.

Uniti dokumentiert übrigens den gesamten Prozess vom Prototypen bis zur Massenfertigung auf YouTube in der Serie „Uniti Update“.

Von Patrick Schroeder
Quelle: http://www.ingenieur.de/Branchen/Fahrzeugbau/Siemens-baut-in-Schweden-automatische-Fabrik-fuer-50000-Elektroautos vom 28.3.2017

Puffer für Windstrom | Energiespeichertechnik

Ein Steinhaufen wird zur Batterie

In Hamburg werden Stromanbietern demnächst extra Steine in den Weg gelegt. Was das soll? Die Steine sollen überschüssigen Strom speichern, nachdem er in hochwertige Wärme umgewandelt wurde. Bei Bedarf wird die heiße Energie in Strom zurückverwandelt.

Siemens baut gemeinsam mit Forschern der Technischen Universität Hamburg-Harburg einen Speicher für überschüssigen Wind- und Solarstrom. Er besteht aus Natursteinen, die wärmeisoliert werden.

Siemens baut gemeinsam mit Forschern der Technischen Universität Hamburg-Harburg einen Speicher für überschüssigen Wind- und Solarstrom, der konkurrenzlos günstig ist. Die elektrische Energie wird in heiße Luft umgewandelt, die einen schlichten Haufen Natursteine auf eine Temperatur von mehr als 600 °C erhitzt. Damit die Wärme nicht verlorengeht ist der Speicher optimal wärmeisoliert.

Um die gespeicherte Energie bei Strommangel zu nutzen, wird Luft durch die Schüttung gepresst. Sie erhitzt sich und gibt ihre Energie in einem Wärmetauscher an einen Wasser-Dampf-Kreislauf ab. „Weil wir hier mit erprobten thermischen Komponenten und einer seriengefertigten Dampfturbine arbeiten, können wir innerhalb weniger Jahre eine praxistaugliche Lösung anbieten“, sagt Siemens Projektleiter Till Barmeier. Denn der erzeugte Dampf hat die gleichen Eigenschaften wie der in einem Kohlekraftwerk.

Besser als Wasser und Flüssigsalz

Wasser und flüssiges Salz speichern pro Volumeneinheit zwar mehr Energie. Doch Steine haben entscheidende Vorteile: Sie lassen sich im Gegensatz zu Wasser drucklos auf die gewünschte Temperatur bringen. Mit Salz wiederum lassen sich nur relativ niedrige Temperaturen erreichen, die ausschliesslich in teuren Spezial-Turbogeneratoren genutzt werden können.

Speicher für 36 Megawattstunden

Bereits experimentiert haben die Entwickler an einem wärmeisolierten Steinhaufen in Hamburg-Bergedorf. Sie wollten herausfinden, wie er sich erhitzen lässt und wie die gespeicherte Wärme wieder ausgekoppelt werden kann. Die gespeicherte Wärmeenergie wird dort noch nicht zu Stromerzeugung genutzt.

Der in Hamburg entwickelte thermische Speicher für Windenergie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Siemens, Hamburg Energie und der TUHH. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die Forschung.

Foto: Siemens

Nachdem diese Tests erfolgreich abgeschlossen werden konnten, steht jetzt der Bau eines kompletten Speichers auf dem Gelände der Aluminiumhütte Trimet in Hamburg-Altenwerder auf dem Programm. Im Herbst nächsten Jahres soll die Anlage in Betrieb gehen. Geplant ist ein Behälter mit einem Volumen von 2000 Kubikmetern. Darin lassen sich 36 MWh speichern. Das ist zwar nur der durchschnittliche Jahresstromverbrauch von zehn Haushalten. Doch der Speicher kann Dutzende oder gar mehr als 100 Mal pro Jahr aufgeladen und in Schwachstromzeiten wieder genutzt werden.

Batterien sind viel teurer

Die derzeit größten Puffer für überschüssigen Strom sind Pumpspeicherkraftwerke. Wasser wird in ein hoch gelegenes Becken gepumpt, wenn es an Verbrauchern fehlt. In Schwachstromzeiten stürzt es wieder zu Tal und treibt dabei Turbogeneratoren an. Eine weitere Möglichkeit ist die Zwischenspeicherung in Batterien, die allerdings sehr teuer sind. Trotzdem rentieren sie sich, denn die Netzbetreiber zahlen in Schwachstromzeiten schon mal mehr als einen Euro pro kWh. An der Börse kostet Strom dagegen meist weniger als vier Cent pro kWh.

Von Wolfgang Kempkens
Quelle: http://www.ingenieur.de/Themen/Energiespeicher/Ein-Steinhaufen-Batterie vom 19.10.2016